EhrenWert-Preis? – Nein Danke!

Im Dezember 2018 hatte Samer al-Hakim den EhrenWert-Preis der Stadt Nürnberg bekommen. Zwei Jahre später gibt er die Auszeichnung und das Preisgeld zurück. Zu tendenziös berichten die Nürnberger Nachrichten über Abschiebungen nach Syrien.

Mit ihrer Berichterstattung über einen möglichen Abschiebestopp nach Syrien erweckten die Nürnberger Nachrichten den Eindruck, Menschen aus Syrien seien gefährlicher als andere Menschen. Das sagt der Aktivist Samer al-Hakim, der selbst seit Jahren in Nürnberg lebt. Weil er sich ehrenamtlich in der Stadt engagiert, bekam er im Dezember 2018 den städtischen EhrenWert-Preis verliehen. Kooperationspartner der Veranstaltung: Die Nürnberger Nachrichten.

Die Entscheidung der Innenminister*innen der Länder, den Abschiebestopp nach Syrien auslaufen zu lassen, begrüßte NN-Kommentator Florian Heider. “Gut, dass sich die Union nun durchgesetzt hat – und der Abschiebestopp 2021 ausläuft.” Damit wird aber zum einen einer Kooperation mit den Verantwortlichen für zehntausendfache Folter der Weg bereitet. Zum anderen werden andere Argumente, wie die universelle Gültigkeit von Menschenrechten auch für Straftäter*innen in Frage gestellt.

Für Samer war das Grund genug, den EhrenWert-Preis zurückzugeben. „Die Berichterstattung der Nürnberger Nachrichten über Abschiebungen in den Folterstaat Syrien hat mich erschüttert und tief verletzt. Sie banalisiert eines der schlimmsten Folterregime der Welt, verhöhnt seine unzähligen Opfer, ignoriert einen immer noch andauernden Massenmord, wirbt für eine klare Verletzung der Menschenrechte, stellt eine überwiegend friedliche syrische Community unter Generalverdacht und heizt Rassismus gegen Migrant:innen an[…].“ In einem ausführlichen Brief begründet er seinen Schritt.

Seine Zurückgabe des Preises verbindet Samer mit der Bitte um eine Stellungnahme der Zeitung. Eine Antwort bekommt er. Zufriedenstellend findet er sie nicht. Dafür greift der Bayerischer Rundfunk die Geschichte auf und berichtet in der Frankenschau aktuell. Samer Hakim ist wichtig zu zeigen: Syrien ist ein Folterstaat – und wird es bleiben, solange das Assad-Regime an der Macht ist. Niemand darf dorthin abgeschoben werden. Das sollte in Nürnberg, der Stadt der Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher, auch Kommentatoren der Lokalzeitung bewusst sein.